Start › Rezepte › Wien › Linzer Torte

Linzer Torte

Mürbeteigkuchen mit Nüssen und Marmelade.

Linzer Torte
Foto: NoName_13 auf Pixabay · Symbolbild

Historisch-anthropologischer Essay

Die Linzer Torte ist keine Wiener, sondern eine Linzer Torte. Ihr Name geht auf die Stadt Linz in Oberösterreich zurück; dem Wiener Raum lässt sich das Gebäck nur im weiteren Sinne der österreichischen Küchentradition zuordnen. Es handelt sich um eine runde Torte aus mürbem Teig mit gemahlenen Nüssen und einer Schicht Marmelade oder Konfitüre. Die Oberseite ist meist mit einem Teiggitter verziert.

Ein Rezept unter der Bezeichnung „Linzer Torte“ ist aus einer auf 1653 datierten Handschrift bekannt, die in der Bibliothek des Stifts Admont aufbewahrt wird. Dies ist der früheste bekannte schriftliche Beleg, beweist aber nicht, dass die Torte damals in Linz erfunden wurde: Ähnliche Gebäcke könnte man schon früher zubereitet haben, und das handschriftliche Rezept hält eine bereits bestehende Praxis fest. Die Rezepte jener Zeit konnten sich in den Mengenverhältnissen und der Zusammensetzung des Teigs unterscheiden; die heute geläufige Variante mit Nussboden und Fruchtfüllung entwickelte sich allmählich.

Die Geschichte der Torte ist mit der Verbreitung von Zucker, Gewürzen und neuen Methoden der Teigverarbeitung in der europäischen Küche verbunden. Im 17. Jahrhundert waren Zucker und exotische Gewürze in den Küchen wohlhabender Stadtbewohner und des Adels bereits anzutreffen, blieben aber teuer. Nüsse waren in Mitteleuropa dagegen leichter verfügbar und verliehen dem Teig Geschmack und Sättigung. Als Füllung eigneten sich Marmelade und dick eingekochte Früchte: So ließ sich die Beeren- und Obsternte nutzen und für die kalte Jahreszeit haltbar machen.

Ein dünner Teig mit viel Fett und Nüssen zerbröselt leicht, während die Füllung beim Erhitzen weich wird. Das Gitter auf der Oberseite diente nicht nur der Verzierung, sondern ließ die Füllung offen; der Rand hielt sie im Inneren. So entstand ein Gebäck, das sich gut schneiden und aufbewahren ließ, auch wenn die genaue Haltbarkeit von der Feuchtigkeit der Füllung und den Lagerbedingungen abhing.

Im 19. Jahrhundert wurde die Linzer Torte auch außerhalb der Stadt bekannter. Mit dieser Verbreitung wird der in Linz tätige Konditor Johann Conrad Vogel in Verbindung gebracht. Sein Beitrag wird üblicherweise als Popularisierung und Weiterentwicklung der lokalen Backtradition beschrieben, nicht als gesicherte Erfindung der Torte. Später wurde die Linzer Torte in verschiedenen Ländern Mitteleuropas zubereitet; die Rezepte veränderten sich, insbesondere bei der Wahl der Nüsse und der Konfitüre.

Heute versteht man unter diesem Namen meist eine Torte aus Mürbeteig mit gemahlenen Mandeln oder Haselnüssen, Gewürzen und roter Beerenkonfitüre. Ein einziges unveränderliches Rezept gibt es jedoch nicht: Teigdicke, Nusssorten und Gittermuster unterscheiden sich. Das Erkennungsmerkmal bleibt dasselbe — Nussteig, Fruchtfüllung und eine offene Oberseite.

Mythos und Fakt

Die Bedeutung der alten Handschrift wird manchmal zur Behauptung zugespitzt, die Linzer Torte sei „1653 erfunden worden“. Das ist falsch: Das Datum bezieht sich auf das früheste bekannte schriftliche Rezept, nicht auf den Zeitpunkt, zu dem das Gebäck entstand.

Auch die Vorstellung, die Torte habe einen einzigen Urheber, ist nicht belegt. Vogels Name ist mit der Verbreitung des Linzer Gebäcks im 19. Jahrhundert verbunden, macht ihn aber nicht zweifelsfrei zum Erfinder der Torte. Vorsichtiger ist es, von einer langen Entwicklung der lokalen Tradition zu sprechen.

Schließlich bedeutet „Linzer“ nicht, dass die Torte unbedingt in Linz zubereitet werden muss. Der Name verweist auf ihre historische Verbindung zur Stadt, doch das Rezept ist längst in ganz Österreich und Mitteleuropa verbreitet.

Entwicklung der Zubereitungstechnik

Für den Teig verwendet man Mehl, Fett, Zucker und gemahlene Nüsse. Varianten mit Mandeln und Haselnüssen sind gleichermaßen passend: Mandeln sorgen für einen milderen Geschmack, Haselnüsse für ein ausgeprägteres, warmes Aroma. Zimt und eine kleine Menge Nelken unterstützen das Aroma, sollten die Nüsse aber nicht überdecken.

Die Füllung sollte dickflüssig sein, damit sie nicht verläuft. Traditionell eignen sich Johannisbeer- oder Himbeerkonfitüre; auch andere Beerenvarianten sind möglich. Das obere Gitter wird aus Streifen desselben Teigs gelegt. Nach dem Backen sollte die Torte etwas ruhen: Die Füllung wird fester und der Geschmack des Teigs harmonischer.

Modernes Rezept

Für eine runde Form mit 24 cm Durchmesser.

Zutaten

  • Weizenmehl — 250 g
  • Gemahlene Haselnüsse oder Mandeln — 150 g
  • Kalte Butter — 200 g
  • Zucker — 150 g
  • Ei — 1 St.
  • Eigelb — 1 St.
  • Dicke Johannisbeer- oder Himbeerkonfitüre — 250 g
  • Gemahlener Zimt — 1 TL
  • Gemahlene Nelken — ¼ TL
  • Zitronenschale — 1 TL
  • Salz — 1 Prise
  • Milch — 15–30 ml, falls nötig

Zubereitung

  1. Mehl, gemahlene Nüsse, Zucker, Zimt, Nelken, Zitronenschale und Salz vermischen.
  2. Die in Würfel geschnittene kalte Butter dazugeben und die Mischung rasch zu Streuseln verreiben. Ei und Eigelb einarbeiten. Falls der Teig nicht zusammenhält, etwas Milch hinzufügen. Nicht länger als nötig kneten.
  3. Etwa ein Drittel des Teigs für das Gitter beiseitelegen. Den Rest flach drücken, einwickeln und 45–60 Minuten in den Kühlschrank legen. Auch den kleineren Teil kühlen.
  4. Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Die Form mit Butter einfetten. Den größeren Teil des Teigs auf dem Boden und am Rand verteilen. Den Boden mit einer Gabel einstechen.
  5. Die Konfitüre gleichmäßig darauf verteilen und dabei etwa bis zum Rand einen kleinen Abstand lassen.
  6. Den übrigen Teig ausrollen und in Streifen schneiden. Das Gitter auf die Füllung legen und die Enden leicht am Rand befestigen.
  7. 40–45 Minuten bei 180 °C backen, bis der Teig goldbraun ist. In der Form abkühlen lassen und anschließend vorsichtig auf eine Platte setzen. Vor dem Servieren mehrere Stunden ruhen lassen.

Kombinationen und Servieren

Die Linzer Torte wird abgekühlt serviert und in kleine Stücke geschnitten: Sie ist gehaltvoll und süß. Dazu passen schwarzer Tee, Kaffee oder ein ungesüßter Kräuteraufguss. Sahne kann separat angeboten werden, muss die Torte aber nicht ergänzen: Nussteig und Beerenkonfitüre sorgen bereits für einen kräftigen Geschmack.

Stichwörter: Linz, Österreich, Nüsse, Konfitüre, Mürbeteig, Konditorei, handschriftliches Rezept

Das könnte Sie auch interessieren

PalatschinkenRezepte
SachertorteRezepte
TafelspitzRezepte
Wiener SchnitzelRezepte
Wiener WürstchenRezepte
Bakewell PuddingRezepte