Christmas Pudding
Getränkter Pudding, der mit Flamme serviert wird.

Historisch-anthropologischer Essay
Der Christmas Pudding ist ein dichter, gedämpfter Nachtisch aus Trockenfrüchten, Fett, Mehl und Gewürzen, der in England zu Weihnachten serviert wird. Seine heutige Form entstand nicht über Nacht: Sie ist das Ergebnis einer langen Entwicklung von einem nahrhaften Gericht zu einem festlichen süßen Pudding.
Im mittelalterlichen England gab es dicke Mischungen aus Fleisch, Getreide, Trockenfrüchten und Gewürzen. Sie werden oft als Vorläufer des Christmas Puddings bezeichnet, doch eine direkte, lückenlose Entwicklung von einem konkreten mittelalterlichen Gericht zum heutigen Rezept lässt sich nicht nachweisen. In der frühen Neuzeit kamen die besser erkennbaren „Plum Puddings“ auf: Das Wort *plum* konnte in der englischen Küchensprache Rosinen und andere Trockenfrüchte bezeichnen, nicht frische Pflaumen.
Im 19. Jahrhundert wurde der Pudding zu einem der wichtigsten Gerichte des englischen Weihnachtsfestes. In Städten wie London wurde er zu Hause zubereitet und bei Händlern gekauft; die Verbreitung solcher Desserts war Teil der umfassenderen Geschichte des städtischen Handels und häuslicher Festtagsbräuche. Die Beliebtheit der weihnachtlichen Festtafel in der viktorianischen Zeit spiegelt sich unter anderem bei Charles Dickens in „Eine Weihnachtsgeschichte“ (1843). Dickens hat den Pudding jedoch nicht erfunden: Zu jener Zeit war er bereits fest in der Festtagsküche verankert.
Der flammende Pudding gehört zu den bekannten Ritualen der weihnachtlichen Festtafel. Vor dem Servieren wird er mit angewärmtem Brandy oder einer anderen hochprozentigen Spirituose übergossen und vorsichtig angezündet. Die Flamme ist ein spektakulärer Teil des Rituals, keine Zubereitungsmethode: Der Pudding wird lange zuvor gedämpft und vor dem Servieren aufgewärmt.
Mythos und Fakt
Der Überlieferung nach soll König Georg I. den Christmas Pudding probiert und ihn dadurch bei Hofe in Mode gebracht haben. Es gibt keine zuverlässigen Belege dafür, dass er als „Erfinder“ des Gerichts gelten kann: Die Geschichte des Puddings entwickelte sich allmählich, lange vor der viktorianischen Zeit.
Ebenfalls verbreitet ist die symbolische Deutung der dreizehn Zutaten als Christus und die zwölf Apostel. Dabei handelt es sich um eine religiöse Auslegung des Brauchs, nicht um eine belegte Erklärung für die Entstehung des Rezepts. Auch Behauptungen, jedes Familienmitglied müsse die Masse umrühren oder sich dabei etwas wünschen, sind mit Vorsicht zu betrachten: Solche Bräuche werden als Folklore überliefert, waren aber nicht für alle Engländer eine unumstößliche Regel.
Der „Rührsonntag“ — *Stir-up Sunday* — wird mit der Zubereitung des Puddings einige Wochen vor Weihnachten in Verbindung gebracht. Der Name erinnert an den Beginn des anglikanischen Gebets für den Sonntag vor dem Advent: *Stir up, we beseech thee…* („Erwecke …“). Es ist tatsächlich bekannt, dass der Pudding in Haushalten im Voraus zubereitet wurde, doch ein genau festgelegter Zubereitungstag war nicht vorgeschrieben.
Entwicklung der Zubereitungstechnik
Der Pudding wird nicht gebacken, sondern in einer geschlossenen Form gedämpft. Das lange Garen in feuchter Hitze verbindet Trockenfrüchte, Fett, Semmelbrösel und Mehl zu einer dichten, feuchten Masse. Im 19. Jahrhundert unterschieden sich Zutaten und Mengenverhältnisse von Haushalt zu Haushalt: Die Rezepte enthielten Rindertalg, Eier, Trockenfrüchte, Zitrusschale, Gewürze und Alkohol.
In modernen Haushaltsrezepten werden die Früchte oft vorher in Brandy oder Rum eingeweicht. Das verstärkt das Aroma und macht Rosinen und kandierte Früchte weicher, ersetzt aber nicht das Dämpfen. Der Pudding wird häufig im Voraus zubereitet, anschließend kühl gelagert und vor dem Servieren erneut erwärmt. Für das Flambieren braucht man eine hochprozentige Spirituose: Sie wird separat leicht erwärmt, über den bereits heißen Pudding gegossen und unmittelbar vor dem Tragen an den Tisch angezündet.
Modernes Rezept
Für 8–10 Portionen. Benötigt wird eine ofenfeste Puddingform mit einem Fassungsvermögen von etwa 1,5 l und Deckel oder Alufolie.
Zutaten
- Rosinen — 200 g
- Korinthen oder kleine dunkle Rosinen — 100 g
- Kandierte Früchte — 50 g
- Apfel — 120 g
- Rindertalg zum Backen, fein gehackt, oder pflanzliches Backfett — 120 g
- Frische Semmelbrösel — 100 g
- Weizenmehl — 75 g
- Brauner Zucker — 100 g
- Eier — 2 Stk.
- Brandy oder dunkler Rum — 100 ml für die Masse, plus 50 ml zum Servieren
- Zitronenschale — 1 TL
- Gemahlener Zimt — 1 TL
- Gemahlene Muskatnuss — ¼ TL
- Salz — ¼ TL
- Wasser — für das Wasserbad
- Rosinen, Korinthen, kandierte Früchte und Brandy vermischen. Abdecken und 2–12 Stunden ziehen lassen.
- Den Apfel reiben. In einer großen Schüssel die Früchte, den Apfel, das Fett, die Semmelbrösel, das Mehl, den Zucker, die Eier, die Zitronenschale, die Gewürze und das Salz vermengen. Rühren, bis alles gleichmäßig vermischt ist.
- Die Masse in eine gefettete Form füllen, ohne sie bis zum Rand zu füllen. Mit dem Deckel verschließen oder fest mit Alufolie abdecken.
- Die Form auf einen Einsatz in einen großen Topf stellen. Kochendes Wasser bis etwa zur halben Höhe der Form einfüllen und den Topf mit einem Deckel verschließen. Bei schwacher Hitze 6 Stunden sanft köcheln lassen und gelegentlich heißes Wasser nachgießen.
- Abkühlen lassen. Wenn der Pudding im Voraus zubereitet wird, abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren. Vor dem Servieren 1,5–2 Stunden dämpfen, um ihn aufzuwärmen.
- Zum Flambieren den Brandy in einem kleinen feuerfesten Gefäß erwärmen, ohne ihn zum Kochen zu bringen. Über den heißen Pudding gießen, Abstand zur Flasche mit Alkohol halten und mit einem langen Streichholz anzünden. Das brennende Gefäß nicht tragen; warten, bis die Flamme erlischt.
Kombination und Servieren
Der Pudding wird heiß serviert, oft mit Brandybutter — einer Mischung aus weicher Butter, Puderzucker und etwas Brandy. Auch Sahne, Vanillecreme oder Vanillesoße passen dazu. Die Süße und Würze bilden einen Ausgleich zu kräftigem Tee, Kaffee oder einer kleinen Portion Brandy.
Der Pudding sollte nur unter Beachtung der Sicherheitsmaßnahmen flambiert werden: Servietten und andere leicht entzündliche Gegenstände vom Tisch entfernen, sich nicht über die Flamme beugen und keinen Alkohol aus der Flasche über den brennenden Pudding gießen.
Stichwörter: Christmas Pudding, England, 19. Jahrhundert, Trockenfrüchte, Dämpfen, Brandy, Festtafel