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Brezel

Gebäck aus Laugenteig.

Brezel
Foto: Alexas_Fotos auf Pixabay

Historisch-anthropologischer Essay

Die Brezel ist ein deutsches Laugengebäck aus Hefeteig, das vor dem Backen mit einer Lauge behandelt wird. In Bayern wird sie meist *Brezn* genannt; ähnliche Gebäcke sind auch in anderen deutschsprachigen Regionen verbreitet. Sie ist nicht einfach nur ein Gebäck mit einer besonderen Form: Die Brezel ist mit städtischen Bäckereien, dem Kirchenkalender und der regionalen Küche verbunden.

Über den Ursprung der Brezel ist nur wenig gesichert bekannt. Abbildungen von Gebäcken, die Brezeln ähneln, finden sich in der mittelalterlichen europäischen Kunst, doch lässt sich anhand der Zeichnungen nicht immer sicher bestimmen, wie sie hießen oder wie sie zubereitet wurden. Im 12. Jahrhundert war die Brezel bereits als christliches Symbol bekannt: Die verschlungenen Teigstränge wurden als zum Gebet gefaltete Hände gedeutet. Diese Erklärung veranschaulicht ihre Form gut, beweist aber nicht, dass die religiöse Symbolik die Brezel hervorgebracht hat.

Später wurden Brezeln zu einem vertrauten Bestandteil des deutschen Bäckereihandels. Sie wurden auf Märkten und Jahrmärkten verkauft und gehörten in Süddeutschland fest zum Alltag. In Bayern ist die Brezel gewöhnlich groß, mit dünnen, überkreuzten „Armen“ und einem runden, dicken Bauch. Man isst sie frisch, meist mit Butter, Käse, Wurst oder Weißwurst. Die Kombination aus Brezel und Bier ist fest im Bild der bayerischen Mahlzeit verankert, doch die Brezel war nicht nur ein festlicher Imbiss: Sie ist ein alltägliches Brot, das man in der Bäckerei kaufen und unterwegs essen kann.

Es gibt viele Varianten in Form und Teig. Bayerische Brezeln werden gewöhnlich aus Weizenmehl, Wasser, Hefe und Salz hergestellt; der Teig kann etwas Fett oder Malz enthalten. Das entscheidende Merkmal ist die Behandlung mit Lauge vor dem Backen. Sie verleiht der Oberfläche eine dunkelbraune Farbe und Glanz sowie den charakteristischen Geschmack, der die Brezel von einer gewöhnlichen Salzbrezel unterscheidet. Regionale Unterschiede zeigen sich auch in den Details: So wird die schwäbische Brezel traditionell anders geformt – mit einem größeren „Bauch“ und dünnen Armen.

Mythos und Fakten

Mit der Brezel sind mehrere Legenden verbunden. In einer der bekanntesten bekommt ein zum Tode verurteilter Bäcker eine Chance, sich zu retten, wenn er ein Brot bäckt, durch das die Sonne dreimal zu sehen ist. Er legt den Teig in Schlaufen – und so entsteht die Brezelform. In verschiedenen Fassungen wird die Handlung in unterschiedliche Städte und Epochen verlegt. Es handelt sich um eine Legende, nicht um einen belegten Bericht über den Ursprung des Gebäcks.

Eine weitere verbreitete Deutung erklärt die drei Öffnungen der Brezel als Symbol der Dreifaltigkeit. Diese religiöse Auslegung ist alt und für die christliche Kultur des Mittelalters plausibel, sollte aber nicht als genaue Beschreibung der Entstehung der Brezel verstanden werden. Sicherer ist die Aussage, dass man der Brezelform im Laufe der Zeit religiöse Bedeutungen zuschrieb.

Auch die oft erzählte Geschichte, die Brezel sei entstanden, weil Teig zufällig in Lauge gefallen sei, ist nicht belegt. Die Technik könnte sich allmählich unter Bäckern entwickelt haben, die verschiedene Methoden zur Behandlung der Teigoberfläche verwendeten. Das genaue Datum und der Ort, an dem die Laugenbrezel entstand, lassen sich nicht feststellen.

Entwicklung der Technik

Ursprünglich zeichnete sich die Brezel vor allem durch ihre Form aus. Die Behandlung mit Lauge wurde zu einem entscheidenden Merkmal der modernen Variante: In einer Lösung aus lebensmitteltauglichem Natriumhydroxid verändert sich die Teigoberfläche rasch und wird im Ofen braun und glänzend. Für diese Reaktion muss der Teigling nicht lange eingeweicht werden – ein kurzes Eintauchen in die Lösung genügt.

Zu Hause wird ausschließlich lebensmitteltaugliches Natriumhydroxid verwendet, wobei Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten sind. Es handelt sich um eine ätzende Lauge: Sie wird mit Handschuhen und Schutzbrille angesetzt, indem man das Natriumhydroxid ins Wasser gibt, nicht umgekehrt. Geeignet sind Gefäße aus Glas, Kunststoff oder Edelstahl; Aluminium ist ungeeignet. Wenn kein lebensmitteltaugliches Natriumhydroxid verfügbar ist, kann man Natron abkochen und die entstandene Lösung verwenden, doch das Ergebnis ähnelt der klassischen Brezel weniger.

Modernes Rezept

Für 6 große Brezeln.

Zutaten:

  • Weizenmehl — 500 g;
  • Wasser — 280 ml;
  • Trockenhefe — 7 g;
  • Butter — 30 g;
  • Zucker oder Malzsirup — 1 TL (etwa 7 g);
  • Salz — 10 g;
  • grobes Salz zum Bestreuen — nach Geschmack;
  • lebensmitteltaugliches Natriumhydroxid — 20 g;
  • Wasser für die Lauge — 500 ml.

Zubereitung:

  1. Mehl, Hefe, Zucker und Salz vermischen. Wasser zugießen und die geschmolzene, abgekühlte Butter hinzufügen. 8–10 Minuten kneten, bis der Teig glatt und elastisch ist.
  2. Den Teig abdecken und bei Zimmertemperatur etwa 60 Minuten gehen lassen, bis er deutlich an Volumen zugenommen hat.
  3. Den Teig in 6 Stücke teilen. Jedes Stück zu einem langen Strang rollen, dessen Mitte dicker bleibt als die Enden. Zu einer Brezel formen, indem man die Enden überkreuzt und am unteren Teil andrückt.
  4. Die Teiglinge auf ein Backblech legen und 20–30 Minuten im Kühlschrank kühlen: Kalter Teig lässt sich leichter verarbeiten.
  5. Handschuhe und Schutzbrille anziehen. 500 ml kaltes Wasser in ein geeignetes Gefäß geben und das Natriumhydroxid vorsichtig darin auflösen. Die Teiglinge einzeln 10–15 Sekunden in die Lösung tauchen und anschließend auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Die Lösung nicht mit den Händen berühren.
  6. Den dickeren Teil einschneiden und mit grobem Salz bestreuen. Bei 220 °C etwa 12–15 Minuten backen, bis die Kruste dunkelbraun ist. Auf einem Gitter abkühlen lassen.

Kombinationen und Servieren

Frisch und noch leicht warm schmeckt die Brezel am besten. In Bayern bricht man sie oft auf und bestreicht sie mit Butter; so entsteht eine *Butterbrezel*. Dazu reicht man Weichkäse, Senf, Wurstwaren und Weißwurst. Als Getränke passen Bier und Milch, für einen einfachen Imbiss auch Kaffee oder Tee.

Wenn die Brezel zu salzig erscheint, kann man das Salz vor dem Essen von der Oberfläche abschütteln. Am nächsten Tag wird sie schnell altbacken, daher isst man sie am besten bald nach dem Backen; trockene Reste lassen sich für Paniermehl verwenden oder in Scheiben schneiden und trocknen.

Stichwörter: Brezel, Bayern, Laugengebäck, Lauge, Hefeteig, Bäckerhandwerk, deutsche Küche

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