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Grünkohl mit Pinkel

Geschmorter Grünkohl mit geräucherter Wurst.

Grünkohl mit Pinkel
Foto: mygraphx auf Pixabay

Historisch-anthropologischer Essay

„Grünkohl mit Pinkel“ ist ein Wintergericht aus Nordwestdeutschland: geschmorter Grünkohl mit der kräftigen Pinkelwurst. Besonders eng ist es mit Bremen und Umgebung sowie mit Niedersachsen verbunden. Daher sollte man es eher als regionale Tradition betrachten, die sich beiderseits der heutigen Verwaltungsgrenze verbreitet hat, und nicht als Gericht mit einer eindeutig belegten Herkunft.

Das vorgeschlagene Zeitalter – das 19. Jahrhundert und die Industrialisierung – eignet sich als Kontext, nicht aber als belegter Entstehungszeitpunkt. Das Gericht beruht auf älteren Praktiken der winterlichen Ernährung: Grünkohl konnte auf dem Beet überwintern oder eingelagert werden, und Wurst sowie geräuchertes Fleisch ermöglichten es, tierische Lebensmittel haltbar zu machen und zu verwenden. Im 19. Jahrhundert machten das Wachstum der Städte und die Entwicklung des Handels regionale Produkte auch außerhalb der Dörfer leichter zugänglich. Wann genau sich die vertraute Kombination aus Grünkohl und Pinkel herausgebildet hat, lässt sich jedoch schwer feststellen.

Pinkel ist nicht einfach eine geräucherte Wurst. Ihre charakteristische feste Füllung enthält Fleisch und Fett sowie Grütze oder Haferflocken; Zutaten und Mengenverhältnisse unterscheiden sich je nach Gegend und Metzger. Zum Grünkohl gibt man häufig geräucherten Schweinebauch, Schweinefleisch oder Kasseler. Kartoffeln werden separat serviert oder zusammen mit dem Gericht geschmort. Solch eine sättigende Mahlzeit eignet sich besonders für die kalte Jahreszeit, in der die Auswahl an frischem Gemüse geringer war.

Mit dem Gericht verbunden sind winterliche Spaziergänge mit anschließendem gemeinsamen Essen – in Bremen nennt man sie *Kohlfahrt*, wörtlich „Kohlfahrt“. Das ist kein Beleg für einen alten Brauch, sondern eine lebendige regionale Form des geselligen Beisammenseins: Auf den Spaziergang folgt ein Festessen mit Grünkohl, Würsten und Fleisch.

Mythos und Tatsache

Tatsache: Die Tradition, im Winter Grünkohl zu essen, ist in Norddeutschland weit verbreitet, und Pinkel ist eine charakteristische regionale Wurst zu diesem Gericht.

Legende und Brauch: Der Grünkohl sollte angeblich erst nach dem ersten Frost geerntet werden. Der Sinn dieses Brauchs ist nachvollziehbar: Kälte macht die Blätter weniger bitter und süßer. Die Behauptung, Frost sei zwingend erforderlich, ist jedoch keine Regel der modernen Küche. Es gibt Sorten, die auch ohne Frost milder werden; tiefgekühlter Grünkohl wird ebenfalls als praktische Alternative verwendet.

Nicht belegt: Der genaue Ort und Zeitpunkt, an dem das Gericht entstand, sind unbekannt. Es als Erfindung des Industriezeitalters zu bezeichnen, wäre eine allzu starke Vereinfachung: Das 19. Jahrhundert erklärt die Entwicklung des Handels und der städtischen Esskultur, belegt aber nicht die Herkunft des Rezepts.

Entwicklung der Zubereitung

Der Grünkohl wird lange geschmort, bis die Blätter weich sind und sich der Geschmack mit dem Fett und dem Fleischsaft verbunden hat. Die Wurst gibt man gewöhnlich erst gegen Ende in den Topf: So wird sie heiß und kann ihr Aroma abgeben, ohne ihre Form zu verlieren. Moderne Rezepte verkürzen häufig die Garzeit und verwenden tiefgekühlten Grünkohl; in Hausrezepten finden sich auch Zwiebeln, Senf und etwas Zucker. Eine verbindliche Zutatenliste gibt es nicht.

Modernes Rezept

Für 4 Portionen.

Zutaten

  • frischer Grünkohl — 1,2 kg (oder tiefgekühlter Grünkohl — 800 g);
  • Pinkel — 4 Würste, etwa 500 g;
  • geräucherter Schweinebauch — 250 g;
  • Zwiebeln — 150 g;
  • Schweineschmalz oder Pflanzenöl — 20 g;
  • Wasser oder ungesalzene Brühe — 300 ml;
  • Senf — 15 g;
  • Salz — nach Geschmack;
  • schwarzer Pfeffer — nach Geschmack;
  • Kartoffeln — 800 g.

Zubereitung

  1. Bei frischem Grünkohl die harten Stiele entfernen, die Blätter waschen und grob schneiden. 2 Minuten in kochendem Wasser blanchieren und anschließend in einem Sieb abtropfen lassen.
  2. Zwiebeln und Schweinebauch schneiden. Das Fett in einem schweren Topf bei mittlerer Hitze erhitzen, etwa 160–180 °C am Topfboden: Zwiebeln und Schweinebauch 5–7 Minuten unter Rühren anbraten.
  3. Grünkohl und Brühe hinzufügen. Langsam zum Kochen bringen, den Deckel auflegen und bei schwacher Hitze etwa 60–90 Minuten schmoren. Gelegentlich umrühren; bei Bedarf etwas Wasser zugießen.
  4. Senf einrühren, pfeffern und vorsichtig salzen: Schweinebauch und Wurst können bereits salzig sein. Die Pinkel obenauf legen, den Deckel auflegen und weitere 20–25 Minuten sanft köcheln lassen. Die Flüssigkeit nicht stark kochen lassen.
  5. In der Zwischenzeit die geschälten Kartoffeln in Salzwasser 20–25 Minuten weich kochen. Heiß mit Grünkohl und Wurst servieren.

Kombination und Servieren

Pinkel und geräucherter Schweinebauch verleihen dem Gericht einen kräftigen, salzigen Geschmack. Dazu passen Salzkartoffeln und scharfer Senf. Bei regionalen Servierarten können auch weitere Schweinefleischsorten auf den Tisch kommen. Nach einer kurzen Ruhezeit schmeckt der Grünkohl meist ausgewogener; Reste sollten beim Aufwärmen vollständig durcherhitzt werden.

Stichwörter: Grünkohl, Pinkel, Niedersachsen, Bremen, Kohl, Wurst, Winterküche

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