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Zwiebelsuppe

Suppe aus karamellisierten Zwiebeln mit Käsecroûton.

Zwiebelsuppe
Foto: RitaE auf Pixabay

Historisch-anthropologischer Abriss

Zwiebelsuppe ist kein Gericht mit einem eindeutig festgelegten Ursprungsort oder Entstehungsjahr. Gekochte Zwiebeln waren schon lange vor dem XIX. Jahrhundert ein erschwingliches Lebensmittel, und Zwiebelsuppen wurden in verschiedenen Regionen Frankreichs zubereitet. Die Pariser Variante erlangte durch das städtische Leben besondere Bekanntheit: Zwiebeln waren gut lagerfähig und preiswert, und eine heiße Suppe eignete sich für eine späte Mahlzeit.

Im XIX. Jahrhundert wuchs Paris rasch, und unter seinen Einwohnern gab es viele Handwerker, Arbeiter und Händler. Eine Suppe aus Zwiebeln und Brühe bot eine sättigende warme Mahlzeit zu geringen Kosten. Mit den nächtlichen Lokalen an den Pariser Märkten, besonders im Viertel Les Halles, wird auch die gratinée à l’oignon in Verbindung gebracht – eine mit Brot und Käse überbackene Zwiebelsuppe. Solche Erzählungen spiegeln den Ruf des Gerichts in der Stadt wider, beweisen aber nicht, dass es genau dort entstanden ist.

Das heute vertraute Bild – eine durch langsam gebratene Zwiebeln leicht süßliche Brühe, eine Scheibe geröstetes Brot und geschmolzener Käse – entwickelte sich allmählich. Die Rezepte unterschieden sich von Küche zu Küche: Brühe, Brotsorte und Käse sowie die Art des Servierens variierten. Daher ist Zwiebelsuppe besser nicht als Erfindung eines einzelnen Kochs zu betrachten, sondern als einfache Hausmannskost, die Pariser Restaurants zu einem bekannten Gericht machten.

Mythos und Fakten

Einer populären Legende zufolge erfand Ludwig XV. die Zwiebelsuppe: Angeblich bereitete der König sie aus Zwiebeln, Butter und Champagner zu, als ihm keine anderen Lebensmittel zur Verfügung standen. Für diese Geschichte gibt es keine verlässlichen Belege; außerdem waren Zwiebelsuppen schon lange vor der Herrschaft des Königs bekannt.

Sicherer ist es, von einer langen Tradition preiswerter Zwiebelsuppen und der Pariser gratinée als ihrer berühmten städtischen Variante zu sprechen. Wann genau die Käsekruste aufkam, ist unklar.

Entwicklung der Zubereitungstechnik

Das Wichtigste bei der Zubereitung ist, die Zwiebeln langsam weich zu dünsten und zu bräunen. Dabei verlieren sie Feuchtigkeit, werden weich und entwickeln einen kräftigen, leicht süßlichen Geschmack. Bei zu großer Hitze verbrennen einzelne Stücke schnell und machen die Suppe bitter.

Die Brühe wird nach dem Anbraten hinzugefügt, anschließend kocht die Suppe noch kurze Zeit. Das Brot wird separat geröstet, damit es nicht sofort aufweicht. Bei der klassischen Servierweise wird das Brot auf die Suppe gelegt, mit Käse bestreut und überbacken, bis der Käse geschmolzen und goldbraun ist.

Modernes Rezept

Für 4 Portionen.

Zutaten:

  • Zwiebeln — 800 g
  • Butter — 40 g
  • Olivenöl — 1 EL (15 ml)
  • Weizenmehl — 10 g
  • Trockener Weißwein — 100 ml
  • Rinder- oder Gemüsebrühe — 1 l
  • Baguette — 8 Scheiben, etwa 160 g
  • Gruyère oder Comté — 120 g
  • Salz — nach Geschmack
  • Schwarzer Pfeffer — nach Geschmack
  • Thymian — 2–3 Zweige (nach Belieben)

Zubereitung:

  1. Die Zwiebeln in dünne Halbringe schneiden. In einem Topf mit dickem Boden die Butter zusammen mit dem Olivenöl schmelzen.
  2. Die Zwiebeln und eine Prise Salz hinzufügen. Bei schwacher bis mäßig schwacher Hitze 35–45 Minuten garen und häufig umrühren. Die Zwiebeln sollen weich und goldbraun werden, aber nicht anbrennen.
  3. Das Mehl über die Zwiebeln streuen, umrühren und noch 1 Minute garen. Den Wein angießen und dabei die gebräunten Röststoffe vom Topfboden lösen. Die Flüssigkeit 2–3 Minuten köcheln lassen.
  4. Die Brühe angießen, Thymian und Pfeffer hinzufügen. Zum leichten Köcheln bringen und ohne Deckel 20 Minuten bei etwa 90–95 °C garen. Abschmecken und bei Bedarf salzen.
  5. Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Die Baguettescheiben 5–7 Minuten rösten, anschließend den Käse reiben.
  6. Die Suppe in ofenfeste Schalen füllen. Jeweils zwei Brotscheiben darauflegen und mit Käse bestreuen. 5–8 Minuten überbacken, bis der Käse geschmolzen und gebräunt ist. Vorsichtig servieren: Die Schalen sind sehr heiß.

Kombination und Servieren

Die Suppe wird unmittelbar nach dem Überbacken serviert, solange der Käse Fäden zieht und das Brot noch leicht bissfest ist. Dazu passen trockener Weißwein, etwa aus Burgund oder dem Loiretal, oder ein leichter Rotwein ohne ausgeprägte Süße. Die kräftige Brühe und der Käse machen das Gericht sättigend, daher genügt meist ein kleiner grüner Salat mit säuerlichem Dressing.

Stichwörter: Zwiebelsuppe, Paris, Les Halles, XIX. Jahrhundert, gratinée, Baguette, Gruyère, französische Küche

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