Die Kartoffelerlasse Friedrichs des Großen und Parmentier
Wie Obrigkeiten die Bauern zur Kartoffel brachten.

Die Fragestellung
Die Geschichte der Kartoffel in Preußen und Frankreich wird oft als Geschichte zweier erfolgreicher Kampagnen erzählt: Friedrich der Große habe den Kartoffelanbau angeordnet, und der Apotheker Antoine-Augustin Parmentier habe die Franzosen davon überzeugt, sie zu essen. Diese Erzählungen haben einen faktischen Kern, vereinfachen den Prozess jedoch. Weder in Preußen noch in Frankreich konnten ein einzelner Erlass oder eine einzelne Person die Gewohnheiten von Bauern und Verbrauchern über Nacht verändern. Die Kartoffel verbreitete sich allmählich – aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, durch Entscheidungen lokaler Behörden, die Erfahrungen der Bauern und einen Wandel in der Vorstellung davon, welche Pflanzen als Nahrung geeignet waren.
Bei der Frage, wie die Behörden die Bauern an die Kartoffel gewöhnten, müssen mehrere Dinge unterschieden werden: die Anordnung, eine Pflanze anzubauen, die Verfügbarkeit von Pflanzgut, die praktische Aneignung der Kultur und die Gewohnheit, sie zu essen. Ein Erlass konnte den Anbau vorschreiben, aber weder eine gute Ernte noch die Bereitschaft der Bauern gewährleisten, vertraute Getreidearten zu ersetzen. In Zeiten häufiger Missernten und drohender Hungersnot war die Kartoffel vor allem deshalb nützlich, weil sie auf vergleichsweise kleiner Fläche einen beträchtlichen Ertrag lieferte und auch dort wachsen konnte, wo Getreide schlechter gedieh. Diese Vorzüge beseitigten jedoch nicht die Schwierigkeiten: Für Anbau und Lagerung waren Kenntnisse nötig, und die Kartoffel konkurrierte mit vertrauten Nahrungsmitteln und Futterpflanzen.
Die preußische und die französische Geschichte verliefen unterschiedlich. Friedrich II., bekannt als Friedrich der Große, nutzte Verwaltungsanordnungen, um die Verbreitung einer neuen Kultur in seinen Territorien zu beschleunigen. Parmentier hingegen wurde vor allem zu einem öffentlichen Fürsprecher der Kartoffel: Er schrieb über ihren Nährwert, organisierte Vorführungen und weckte das Interesse des Hofes und des gebildeten Publikums. Seine Tätigkeit trug zum Wandel der öffentlichen Meinung bei, war aber nicht der Anfang des französischen Kartoffelanbaus.
Daher ist es treffender, nicht von einer einheitlichen „Einführung der Kartoffel“, sondern von unterschiedlichen Wegen ihrer Förderung zu sprechen. In Preußen waren der administrative Druck und die Wirtschaftspolitik des Staates wichtig. In Frankreich spielten aufklärerische Argumente, das öffentliche Vorbild und der allmähliche Abbau von Vorurteilen eine Rolle. In beiden Fällen waren jedoch weder der Erlass selbst noch die Zustimmung des Hofes entscheidend, sondern die Frage, inwieweit die Pflanze den Bedürfnissen von Landwirtschaft und Bevölkerung entsprach.
Historischer Kontext
Die Kartoffel kam nach der spanischen Eroberung der Neuen Welt aus Südamerika nach Europa. In Europa wurde sie lange vor Friedrich II. und Parmentier angebaut, doch wurde sie lange Zeit nicht zum alltäglichen Nahrungsmittel der breiten Bevölkerung. Als ungewohnte Pflanze konnte sie Misstrauen hervorrufen; außerdem machten sich die Europäer nicht sofort mit den Anbau- und Zubereitungsweisen vertraut. Mancherorts pflanzte man Kartoffeln in Gärten, verwendete sie als Viehfutter oder betrachtete sie als Nahrung, die vor allem für Arme geeignet war.
Auch die natürlichen Gegebenheiten sind wichtig. Die Kartoffel bildet unterirdische Knollen, die unter günstigen Bedingungen pro Flächeneinheit mehr Nahrung lieferten als viele traditionelle Getreidearten. Dadurch war sie besonders wertvoll in Regionen mit begrenztem Ackerland und in Zeiten, in denen Brot knapp war. Doch die Kartoffel bot keinen uneingeschränkten Schutz vor Hunger: Die Ernte hing vom Wetter und dem Zustand der Pflanzen ab, und die Lagerung der Knollen erforderte Aufmerksamkeit. Im 18. Jahrhundert gab es noch keinen Schutz vor der Kraut- und Knollenfäule, die im 19. Jahrhundert in Irland eine katastrophale Hungersnot auslöste. Diese spätere Erfahrung lässt sich nicht auf die Politik Friedrichs oder Parmentiers übertragen, erinnert aber daran, dass die Abhängigkeit von einer einzigen Kultur allein keine Ernährungssicherheit garantierte.
Preußen bemühte sich im 18. Jahrhundert darum, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern und die Wirtschaft nach den Kriegen wiederaufzubauen. Für die Monarchie war die Versorgungssicherheit keine abstrakte Idee: Nahrungsmangel bedrohte die Bevölkerung, die Steuereinnahmen und die Versorgung der Armee. Die Kartoffel war als Kulturpflanze von Interesse, die den Getreideanbau ergänzen konnte. Die Obrigkeit konnte Beamte, Gutsherren und lokale Verwaltungen anweisen und verfügte daher über Instrumente, die einem einzelnen Aufklärer nicht zur Verfügung standen.
Auch in Frankreich war die Kartoffel bereits vor Parmentier bekannt. Ihre Verbreitung wurde jedoch nicht nur durch Gewohnheiten, sondern auch durch Vorbehalte beeinträchtigt, die mit bestimmten Vorstellungen über die Pflanze zusammenhingen. 1748 verbot das Parlament von Paris den Kartoffelanbau in seinem Zuständigkeitsbereich; als verbreitete Erklärung gilt die Befürchtung, die Kartoffel könne Lepra begünstigen. Diese Entscheidung galt für eine bestimmte Jurisdiktion und bedeutete kein Verbot in ganz Frankreich. 1772 wurde sie aufgehoben, nachdem die medizinische Fakultät der Universität Paris die Kartoffel als für den Verzehr geeignet anerkannt hatte. Diese Episode zeigt, dass das Misstrauen gegenüber einer neuen Kultur nicht nur durch bäuerliche Bräuche, sondern auch durch offizielle Vorstellungen gestützt werden konnte.
Parmentier war weder Landwirtschaftsbeamter noch derjenige, der die Kartoffel als Nahrungsmittel geschaffen hatte. Er hatte eine pharmazeutische Ausbildung und diente als Militärapotheker. Während des Siebenjährigen Krieges geriet er in preußische Gefangenschaft und lernte dort den Verzehr von Kartoffeln kennen. Später ermöglichten ihm gerade seine Kenntnis europäischer Praxis und sein Interesse an der Ernährung, sich in Frankreich für diese Kultur einzusetzen. Seine Argumente gehörten in eine Zeit, in der aufgeklärte Gesellschaften und staatliche Institutionen über Wege zur Hungerbekämpfung und zur Verbesserung der Wirtschaft diskutierten.
Ablauf und Entwicklung
Das bekannteste Dokument zur Förderung des Kartoffelanbaus in Preußen war eine Anordnung Friedrichs II. aus dem Jahr 1756. Sie wies die Beamten an, den Kartoffelanbau zu fördern und der Bevölkerung dessen Nutzen zu erklären. Die Anordnung bedeutete nicht, dass alle preußischen Bauern sofort verpflichtet waren, auf eine neue Kultur umzusteigen. Die Behörden beauftragten die örtlichen Verwaltungen, ihre Verbreitung zu unterstützen – unter anderem, indem sie Pflanzgut bereitstellten und darauf hinwirkten, dass Kartoffeln an geeigneten Orten angebaut wurden.
Friedrich handelte über das für einen monarchischen Staat übliche System von Anordnungen: Er wandte sich an die Beamten, die diese an die örtlichen Gemeinden und Grundbesitzer weitergeben sollten. Dieser Ansatz konnte Vorschriften umfassen, Flächen für Kartoffeln bereitzustellen, Pflanzkartoffeln zu beschaffen und die Umsetzung zu überwachen. Die praktische Durchführung unterschied sich jedoch von Gebiet zu Gebiet. Die preußischen Territorien waren hinsichtlich Böden, Klima und Grundbesitzverhältnissen nicht einheitlich, sodass dieselbe Maßnahme nicht überall dasselbe Ergebnis erzielen konnte.
Die Obrigkeit wollte die Menschen nicht nur dazu bringen, Knollen zu pflanzen, sondern sie auch davon überzeugen, dass die Kultur nützlich war. Dazu dienten behördliche Erläuterungen und gelegentlich auch nachdrücklicher Druck auf die Gemeinden. In der Landwirtschaft garantierte ein formeller Befehl keinen Gehorsam: Die Bauern konnten an den Erträgen zweifeln, keinen Acker für eine unbekannte Pflanze hergeben wollen oder nicht genügend Knollen zum Pflanzen haben. Außerdem wurde das neue Produkt nicht sofort Bestandteil der üblichen Ernährung. Selbst wenn Kartoffeln angebaut wurden, bedeutete das noch nicht, dass man sie als vollwertigen Ersatz für Brot betrachtete.
Oft wird erwähnt, Friedrich habe die Kartoffelfelder bewachen lassen, damit die Bauern glaubten, die Knollen seien besonders wertvoll, und sie anschließend stahlen und selbst anbauten. Diese Erzählung ist zu einer der bekanntesten Episoden der Kartoffelgeschichte geworden, doch gibt es keine verlässlichen Belege für einen derart ausgeklügelten Plan. Sie ist als Legende und nicht als gesicherte Methode preußischer Politik anzusehen. Der dokumentarisch belegte Kern der Geschichte ist weitaus nüchterner: Der König drängte die Beamten tatsächlich dazu, die Kartoffel zu verbreiten, weil er sie als Mittel zur Stärkung der Lebensmittelversorgung betrachtete.
Parmentiers Kampagne in Frankreich entwickelte sich anders. 1771 schrieb die Akademie in Besançon einen Wettbewerb über pflanzliche Nahrungsmittel aus, die bei Lebensmittelknappheit die üblichen Produkte ersetzen könnten. Parmentier reichte eine Arbeit über die Kartoffel ein und erhielt einen Preis. 1773 veröffentlichte er eine Abhandlung über die chemischen Eigenschaften der Kartoffel und ihre Eignung als Nahrungsmittel. Sein Bekanntheitsgrad verdankte sich somit nicht einer einzelnen Geste des Hofes, sondern seiner konsequenten Tätigkeit: Forschung, Veröffentlichungen und öffentliche Fürsprache für das Produkt.
Parmentier argumentierte, dass die Kartoffel nahrhaft sei und sich zu vielfältigen Gerichten zubereiten lasse. Als ein Teil der Öffentlichkeit ihr misstraute, verliehen die wissenschaftliche Sprache und die Anerkennung durch eine akademische Institution seinen Argumenten Gewicht. Wichtig war auch die praktische Vorführung ihrer Verwendung. Kartoffeln wurden bei Mahlzeiten serviert, an denen einflussreiche Personen teilnahmen; solche Veranstaltungen zeigten, dass sie in die Küche der wohlhabenden Schichten aufgenommen werden konnten und nicht nur in äußerster Not gegessen werden mussten.
Parmentier erhielt Unterstützung vom Hof, und die Kartoffelpflanzungen bei Paris, im Gebiet von Sablons, wurden Teil einer öffentlichen Kampagne. Einer bekannten Erzählung zufolge wurde das Feld tagsüber von Soldaten bewacht, nachts jedoch unbewacht gelassen, damit die Einwohner Knollen stehlen und dadurch selbst Interesse am Anbau entwickeln konnten. Diese Geschichte wird oft wiederholt, ihre Glaubwürdigkeit ist jedoch nicht gesichert. Selbst wenn das Feld bewacht wurde, bleibt die absichtliche Inszenierung eines „Diebstahls“ Teil einer legendären Erzählung. Sie sollte nicht als erwiesenes Beispiel staatlicher Propaganda dargestellt werden.
1785 schlug Parmentier während einer Missernte vor, die Bevölkerung mit Kartoffeln zu versorgen. Dies geschah vor dem Hintergrund von Versorgungsschwierigkeiten, die das Interesse an alternativen Nahrungsquellen verstärkten. Seine Tätigkeit setzte sich auch später fort, doch zu dieser Zeit wurden Kartoffeln bereits in Frankreich und über den Kreis der Hauptstadt hinaus angebaut. Parmentier „führte“ sie nicht im Land ein; er trug dazu bei, die Einstellung zur Kultur zu verändern, ihre öffentliche Anerkennung zu stärken und sie in die Diskussion über Ernährungspolitik einzubringen.
Die Beispiele aus Preußen und Frankreich weisen eine Gemeinsamkeit auf: Behörden und gebildete Kreise versuchten, die Kartoffel mit Versorgungssicherheit und Hungerbekämpfung zu verbinden. Die Mittel waren jedoch unterschiedlich. Friedrich II. konnte Anordnungen für Beamte in seinen Territorien erlassen. Parmentier wirkte durch das gedruckte Wort, akademische Anerkennung, Versuche und die demonstrative Förderung durch den Hof. Der französische Staat erließ keinen einheitlichen, landesweiten „Erlass Parmentiers“, der die Bauern sofort zum Kartoffelanbau gezwungen hätte.
Mythen und Fakten
- Fakt: Friedrich II. unterstützte tatsächlich den Kartoffelanbau und erließ 1756 eine Anordnung, die die Beamten dazu anhielt, seine Verbreitung zu fördern.
- Vereinfachung: Die Anordnung machte Kartoffeln nicht sofort überall zum Nahrungsmittel. Für ihre Verbreitung waren Pflanzgut, örtliche Kenntnisse und geeignete Bedingungen erforderlich.
- Legende: Der König soll angeordnet haben, Kartoffelfelder tagsüber bewachen zu lassen und sie nachts absichtlich unbewacht zu lassen, damit die Bauern Knollen stahlen. Für diese Geschichte gibt es keine verlässlichen Belege.
- Fakt: Parmentier wurde zu einem der bekanntesten französischen Fürsprecher der Kartoffel. Er setzte sich in Veröffentlichungen für sie ein und stellte sie als nahrhaftes, für den menschlichen Verzehr geeignetes Produkt dar.
- Vereinfachung: Parmentier war nicht der erste Franzose, der Kartoffeln anbaute oder aß. Die Kultur war in Frankreich schon vor seinen öffentlichen Auftritten bekannt.
- Fakt: 1748 verbot das Parlament von Paris den Kartoffelanbau in seinem Zuständigkeitsbereich; 1772 wurde das Verbot aufgehoben, nachdem die medizinische Fakultät der Universität Paris die Kartoffel als Nahrungsmittel anerkannt hatte.
- Legendäre Formulierung: Friedrich werden Worte zugeschrieben, wonach Frankreich oder Preußen eines Tages für die Kartoffel dankbar sein werde; auch Parmentier werden zahlreiche einprägsame Aussprüche über ihre Bedeutung zugeschrieben. Solche Zitate sind für das Verständnis der Ereignisse nicht nötig und sollten ohne verlässliche Belege nicht als authentisch dargestellt werden.
Besonders wichtig ist es, verschiedene Arten von Belegen nicht miteinander zu vermischen. Ob eine Anordnung oder eine Abhandlung veröffentlicht wurde, lässt sich anhand von Dokumenten überprüfen. Die Erzählung, der König habe sich persönlich die psychologische List mit der Feldbewachung ausgedacht, bedarf eines eigenen Belegs und wird nicht dadurch zur Tatsache, dass sie oft wiederholt wird. Ebenso anschaulich, aber historisch ungenau ist die geläufige Formel, „Parmentier habe Frankreich mit Kartoffeln ernährt“: Sie schreibt einer Person das Ergebnis eines langwierigen Wandels in Landwirtschaft und Ernährung zu.
Folgen und Vermächtnis
Langfristig wurde die Kartoffel zu einer der wichtigsten Kulturpflanzen der europäischen Landwirtschaft. Ihre Verbreitung erhöhte die Verfügbarkeit von Kalorien und machte die Ernährungssysteme weniger abhängig vom Getreide allein. Für die Bauern war sie nicht als abstrakte „Zukunftspflanze“ nützlich, sondern als Gewächs, das unter günstigen Bedingungen einen praktischen Ertrag lieferte. Mit der allmählichen Aufnahme der Kartoffel in den Speiseplan vergrößerte sich die Auswahl alltäglicher Gerichte und die Ernährungsweise veränderte sich.
Diese Veränderungen lassen sich jedoch weder einem König noch einem Apotheker oder einem einzelnen Erlass zuschreiben. In Preußen konnte die staatliche Initiative die Annahme der Kartoffel beschleunigen, insbesondere dort, wo Beamte Einfluss auf Grundbesitzer und Gemeinden nehmen konnten. Die endgültige Entscheidung hing jedoch von den Erfahrungen im Betrieb ab. In Frankreich trug Parmentier dazu bei, die Kartoffel für das gebildete Publikum vertrauenswürdig zu machen und offizielle Vorbehalte abzubauen. Sein Beitrag ist gerade als Teil eines umfassenderen Prozesses bedeutsam, nicht als Akt einer Einzelerfindung.
Der Prozess barg auch einen Widerspruch. Die Kartoffel half, die Ernährung vielfältiger zu machen, doch die gezielte Förderung einer einzigen Kultur beseitigte nicht die Gefährdung der Landbevölkerung durch Missernten. Eine zuverlässige Versorgung hing von verschiedenen Pflanzen, nachhaltiger Landwirtschaft, geeigneten Lagerbedingungen und der Verteilung von Lebensmitteln ab. Spätere Hungersnöte in Europa zeigten, dass eine starke Abhängigkeit von einem einzigen Produkt gefährlich sein kann. Das schmälert nicht die Bedeutung der Kartoffel im 18. Jahrhundert, mahnt aber davor, zu glauben, die Einführung einer neuen Kultur löse das Hungerproblem von selbst.
Das Vermächtnis Friedrichs II. und Parmentiers wurde in hohem Maße symbolisch. In der kollektiven Erinnerung wurde der preußische König zum „Kartoffelkönig“ und der französische Apotheker zu dem Mann, der eine Nation davon überzeugte, Kartoffeln anzunehmen. Diese Bilder bewahren eine wichtige Wahrheit: Staatlicher Wille und Aufklärungsarbeit können landwirtschaftliche und kulinarische Gewohnheiten verändern. Doch verdecken die Symbole die langsame tägliche Arbeit – Pflanzen, Ernten, Lagern, den Austausch von Pflanzgut und das Vermitteln neuer Zubereitungsweisen.
Die Geschichte der Kartoffel zeigt damit auch die Grenzen staatlicher Macht über den Alltag. Ein Erlass kann Prioritäten setzen und die Verwaltung zum Handeln bewegen; eine Akademie kann einem Produkt wissenschaftliche Autorität verleihen; der Hof kann es modisch und für wohlhabende Menschen akzeptabel machen. Eine Gewohnheit entsteht jedoch erst dann, wenn sich die Pflanze für einen konkreten Betrieb als nützlich und für eine konkrete Küche als erschwinglich erweist. Die Kartoffel wurde nicht deshalb zu einem europäischen Nahrungsmittel, weil einmal befohlen wurde, sie zu essen, sondern weil staatliche Förderung, öffentliche Überzeugungsarbeit und wirtschaftlicher Nutzen mit der Zeit zusammenkamen.
Stichwörter: Kartoffel, Friedrich II., Parmentier, Preußen, Frankreich, Ernährungspolitik, Bauernschaft, Hungersnot