Wer im Kloster lebte
Eine einheitliche Klosterküche gab es im Frühmittelalter in Westeuropa nicht. Was gegessen wurde, hing vom Klima und von der Ernte ab, vom Wohlstand des Klosters, von seiner Regel und davon, ob es nahe einer Stadt, einer Straße oder des Meeres lag. Auch die Quellen sind ungleich: Klosterregeln zeigen, wie es sein sollte, Wirtschaftsunterlagen und Funde haben sich nur für einzelne Orte erhalten.
Ein Kloster war eine Gemeinschaft, die nach einer religiösen Regel lebte. Die Mönche beteten, feierten Gottesdienste, arbeiteten und aßen gemeinsam; in Frauenklöstern galt dasselbe Prinzip. Manche Klöster besaßen Ländereien und abhängige Höfe, andere kamen mit deutlich weniger aus.
Am bekanntesten ist der Tagesablauf, den die Regel des heiligen Benedikt festlegt, im 6. Jahrhundert in Italien verfasst. Sie verlangte Maß beim Essen und eine feste Ordnung der Mahlzeiten. Für jedes westeuropäische Kloster gilt sie trotzdem nicht, denn daneben gab es andere Traditionen.
Gegessen wurde im gemeinsamen Speisesaal, dem Refektorium. Während der Mahlzeit las man nach der Regel vor, Gespräche waren nur eingeschränkt erlaubt. Dienstbrüder halfen beim Auftragen und Abwaschen.
Was auf den Tisch kam
Die Grundlage bildeten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Man buk daraus Brot oder kochte Brei und Suppen, je nachdem, was vor Ort wuchs. Weißbrot gab es dort, wo genug Weizen gedieh. Das Brot aß man zu Suppe, Gemüse und allem anderen.
Erbsen, Bohnen, Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben und anderes Gemüse der Saison kamen oft auf den Tisch, häufig in Suppen. Aus Garten und Obstgarten stammten frisches Grün und Früchte, soweit die Jahreszeit sie hergab. Obst und Nüsse waren eine Zugabe.
Die Regel Benedikts untersagte gesunden Mönchen das Fleisch vierfüßiger Tiere, nahm aber Kranke und Schwache aus. Auf alle Klöster lässt sich dieses Verbot nicht ohne Weiteres übertragen. Fisch, Eier und Milchprodukte brachten Abwechslung, besonders an Fasttagen. Eine fleischlose Tafel hieß also nicht immer, dass man ganz auf tierische Produkte verzichtete.
Getrunken wurde Wasser, Wein oder ein Getränk aus Getreide, darunter Bier. Wein war vor allem in Weinbaugebieten üblich. Benedikt erlaubte eine maßvolle Weinration und fügte hinzu, Enthaltsamkeit sei besser. Das ist ein Ideal, keine feste Norm.

Kochen, Lagern und Versorgung
Die Alltagskost wurde meist gekocht. Eine Suppe aus Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse sättigte die Gemeinschaft und verwertete, was gerade da war. Brot buk man in Öfen, die je nach den Möglichkeiten des Klosters unterschiedlich gebaut waren. Fleisch, Fisch und Gemüse konnte man auch backen oder über dem Feuer garen.
Vorräte legte man für die Zeit zwischen den Ernten an und für den Fall einer Missernte. Das Getreide lagerte in geeigneten Räumen, Lebensmittel konservierte man durch Trocknen, Salzen und andere bekannte Verfahren. Wie die Vorratsräume eingerichtet waren, war von Kloster zu Kloster verschieden.
Die Lebensmittel kamen von den eigenen Ländereien, aus abhängigen Höfen, durch Tausch oder als Schenkung. Ein großes Kloster mit weitem Besitz hatte andere Möglichkeiten als eine kleine Gemeinschaft. Die Küche war nur ein Teil eines größeren Wirtschaftsbetriebs, zu dem Ackerbau, Viehhaltung und die Verarbeitung der Ernte gehörten.

Tagesablauf, Fasten und Gäste
Der Speiseplan richtete sich nach Kirchenjahr und Tageszeit, aber ebenso nach der Saison und dem, was in der Vorratskammer lag. Die Regel Benedikts koppelte die Essenszeiten an diesen Kalender, sodass Zahl und Zeitpunkt der Mahlzeiten im Lauf des Jahres wechseln konnten. Die Vorstellung von zwei festen Klostermahlzeiten passt daher nicht auf alle Orte und Jahreszeiten.
Fasten bedeutete Einschränkungen, deren Umfang von Regel und Praxis abhing. Man ließ das Fleisch weg oder verkürzte die Mahlzeit. An Festtagen bekam die Gemeinschaft reichlicher zu essen, was nicht zwangsläufig ein üppiges Festmahl hieß.
Klöster nahmen Reisende auf und kümmerten sich um Arme, auch wenn der Umfang dieser Hilfe nicht überall gleich war. Das christliche Ideal der Gastfreundschaft forderte Aufmerksamkeit für den Gast; es heißt nicht, dass allen dasselbe aufgetischt wurde. Anders war auch die Kost der Kranken: Die Benediktsregel nahm auf ihre Bedürfnisse eigens Rücksicht.
Regionale Unterschiede
Was am häufigsten auf den Tisch kam, bestimmten Klima und Ackerbau. In Weinbaugebieten war Wein leichter zu bekommen; wo Roggen, Gerste oder Hafer besser wuchsen, rückten diese Getreidearten in den Vordergrund. An Küsten und Flüssen kam öfter Fisch auf den Tisch. Die Natur allein erklärt das Menü aber nicht, dazu kamen Handel, Klosterbesitz und kirchliche Vorschriften.
Die frühmittelalterliche Klosterküche war keine eigene „nationale“ Küche. Sie war eine Art, die Ernährung einer Gemeinschaft nach Regel, Jahreszeit und Mitteln zu ordnen. Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse bildeten ihre Grundlage; dazu kamen Fisch, Milchprodukte, Eier und, je nach Umständen, auch Fleisch.

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Schlüsselwörter: Klöster, frühes Mittelalter, Getreide, Fasten, Ordensregel, Wirtschaft, Mahlzeit, Vorratshaltung
Foto: Andreas F. Borchert, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
