Start › Nachschlagewerk › Wörterbuch der Lebensmittelberufe

Wörterbuch der Lebensmittelberufe

Bäcker, Metzger, Brauer, Käser und andere Handwerke.

⏱ 3 Min. Lesezeit

Wörterbuch der Lebensmittelhandwerke

Lebensmittelhandwerke umfassen Tätigkeiten, die mit dem Anbau und der Verarbeitung von Lebensmitteln sowie ihrer Lagerung und ihrem Verkauf verbunden sind. In Westeuropa änderte sich ihre Organisation von Epoche zu Epoche: Auf dem Land wurden viele Arbeiten im eigenen Betrieb erledigt, in den Städten hingegen übernahmen sie zunehmend einzelne Handwerker. Manche städtischen Handwerke schlossen sich zu Zünften oder Gilden zusammen, die Regeln für Ausbildung, Qualität und Handel festlegen konnten. Ihr Einfluss hing von Ort und Zeit ab.

Getreide, Mehl und Brot

Der Müller mahlte Getreide in einer Wasser-, Wind- oder einer anderen Mühle zu Mehl. Er konnte im Auftrag des Getreidebesitzers arbeiten oder einen Teil des Mahlguts als Entgelt einbehalten. So war der Müller ein wichtiger Vermittler zwischen Landwirt und Bäcker; seine Dienste und Abrechnungen gaben häufig Anlass zu Streit.

Der Bäcker knetete den Teig und buk Brot zum Verkauf. In den Städten war Brot ein Grundnahrungsmittel, und die Obrigkeit konnte Gewicht, Qualität und Preis überwachen – besonders in Zeiten, in denen Getreide knapp war. Bäcker arbeiteten in eigenen Öfen oder nutzten Gemeinschaftsöfen; die Organisation richtete sich nach den örtlichen Gegebenheiten.

Fleisch, Fisch und Getränke

Der Metzger schlachtete Tiere, zerlegte die Tierkörper und verkaufte das Fleisch. Das Vieh wurde häufig aus der Umgebung auf den Markt getrieben; der Fleischhandel wurde aus Gründen der Ordnung und Hygiene reguliert. Auch Schlachtabfälle, Blut und Häute fanden Verwendung, ihre Verarbeitung konnte jedoch bereits zu anderen Tätigkeiten gehören.

Der Fischhändler verkaufte frischen, gesalzenen oder getrockneten Fisch. Durch Salzen und Trocknen ließ sich der Fang lagern und über weite Strecken transportieren; an Bedeutung gewannen diese Gewerbe an Tagen, an denen kirchliche Vorschriften den Fleischverzehr einschränkten.

Der Brauer stellte Bier aus Getreide, Wasser und Hopfen oder anderen verfügbaren örtlichen Zutaten her. Mancherorts blieb das Brauen eine häusliche Tätigkeit, andernorts entwickelte es sich zu einem Gewerbe. Der Winzer baute Weintrauben an oder verarbeitete sie zu Wein; der Weinbau war besonders in den südlichen und mittleren Regionen Westeuropas von Bedeutung. Die Bezeichnung „Winzer“ bedeutete nicht immer, dass ein und dieselbe Person sowohl für den Weinberg als auch für die Herstellung des Getränks zuständig war.

Milchprodukte und weitere Tätigkeiten

Der Käser verarbeitete Milch zu Käse, der sich lagern und transportieren ließ. Die Herstellung hing meist von der Jahreszeit, dem Futter und den örtlichen Viehrassen ab. Käse wurde sowohl auf landwirtschaftlichen Betrieben als auch in spezialisierten Werkstätten hergestellt; eine klare Grenze zwischen Handwerk und bäuerlicher Arbeit bestand nicht überall.

Zu den Tätigkeiten im Lebensmittelbereich gehörten außerdem der Butterbereiter, der Süßbäcker, der Lebküchner, der Pökler und der Gewürzhändler. Diese Bezeichnungen umfassten unterschiedliche Arbeiten und standen nicht immer für einen eigenständigen Beruf: Ein Handwerker konnte mehrere Arbeitsschritte übernehmen, und ein Händler konnte Waren verkaufen, die andere hergestellt hatten. Das Wörterbuch der Handwerke beschreibt daher keine unveränderliche Liste von Berufen, sondern ein wandelbares System von Herstellung und Austausch.

Stichwörter: Bäcker, Müller, Metzger, Brauer, Käser, Gilden, Lebensmittelhandwerke